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Automotive SPICE ist ein branchenspezifischer Standard in der Automobilindustrie, der sich sehr gut dazu eignet, die Prozesse möglichst erfolgsorientiert auszurichten. Wir helfen Ihnen bei der Erfüllung der Anforderungen der Automotive SPICE unter Berücksichtigung Ihrer bereits etablierten Prozesse.

Was ist Automotive SPICE®?

Das Wichtigste auf einen Blick:

Übersicht

Prozesse bewerten und verbessern:

Automotive SPICE® ist ein branchenspezifischer Standard in der Automobilindustrie, der sich sehr gut dazu eignet, die Prozesse möglichst erfolgsorientiert auszurichten.

Woher kommt Automotive SPICE®? 

In der Automobilindustrie hat sich in den letzten Jahren verstärkt die domänespezifische Variante der ISO 15504 durchgesetzt, das Automotive SPICE®. Entwickelt wurde diese Norm vom Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA). Im Jahr 2005 veröffentlichte dann die „Automotive Special Interest Group“ – bestehend aus Firmen wie BMW, Audi, Daimler, Fiat, Ford, Jaguar, Land Rover, Porsche, Volvo und VW – den neuen branchenspezifischen Standard Automotive SPICE®.

Automotive SPICE® ist ein Standardwerk der VDA (Verband der Automobilindustrie), das Möglichkeit für Hersteller eröffnet, ihre Lieferanten nach ihrer Prozessfähigkeit zu bewerten. Das Standardwerk ist eine Sammlung an Anforderungen an Lieferanten, die sie erfüllen müssen, um überhaupt Projekte bei/für die Hersteller durchführen zu können. Automotive Spice listet auf, was alles dazu nötig ist, also man braucht einen Projektplan, eine Prozessbeschreibung, eine Qualitätssicherung, ein Anforderungsmanagement ect. 

Abstrahiert kann man Automotive SPICE® als einen Standard verstehen, der als Rahmen für die Verbesserung und Bewertung von Prozessen verwendet wird. Er gilt für die Entwicklung mechatronischer Systeme mit Schwerpunkt auf den Software- und Systemteil von zu entwickelnden Produkten. Eine erfolgreiche Adaption von Automotive SPICE® ist mittlerweile eine Voraussetzung dafür geworden, als Lieferant (oder gar OEM) in der Automobilindustrie tätig zu werden. Diese Vorgaben gelten nicht nur für deutsche oder europäische Zulieferer, sondern weltweit.

Das Prozessmodell Automotive SPICE®
Entstehung und Entwicklung von Automotive SPICE®

Der Begriff SPICE ist eine Abkürzung, die sich aus dem Titel System Process Improvement and Capability Determination ableitet.

Häufig wird das „S“ in SPICE auch mit „Software“ übersetzt, aber das Modell umfasst seit jeher auch Systemprozesse. Diese Übersetzung geht auf die Quelle der Prozessdefinition aus den Anfangszeiten des Standards zurück, in dem nur Software-Prozesse definiert waren, der ISO/IEC 12207 (Software Life Cycle Processes).

Prozessdimension

Die Prozessdimension bei Automotive SPICE® umfasst 32 Prozesse. In ihnen ist beschrieben, welche Aktivitäten grundsätzlich in einem Projekt durchgeführt werden sollten.

Die primären Prozesse (Primary Life Cycle Processes) befassen sich mit der Software- und Systementwicklung sowie mit Akquisitions- und Auslieferungsaktivitäten. Diese Kategorie besteht aus den Untergruppen:

  • Acquisition Process Group (ACQ): Prozesse, die vom Kunden mit Blick auf den Lieferanten umgesetzt werden sollten. Sie sollen helfen, das Lastenheft zu erstellen und das Lieferantenmanagement zu etablieren.
  • Supply Process Group (SPL): Prozesse, die vom Lieferanten mit Blick auf den Kunden umgesetzt werden sollten. Hier geht es darum, den Angebotsprozess und die Auslieferung des Produktes zu unterstützen.
  • System Engineering Process Group (SYS): Hier finden sich die Engineering-Prozesse für die Erstellung der Systemspezifikation und -architektur sowie die dazugehörigen Testprozesse. In Automotive SPICE ist ein System üblicherweise so definiert, dass es immer mindestens die Elemente Software und Hardware/Elektronik beinhaltet.
  • Software Engineering Process Group (SWE): Hier finden sich analog zur Systemebene die Engineering-Prozesse zur Erstellung der Software. Das umfasst alle Prozesse von der Analyse der Anforderungen über die Architektur- und Code-Erstellung bis zu den jeweiligen Testprozessen.

Die unterstützenden Prozesse (Supporting Life Cycle Processes) bei Automotive SPICE® sollen die gesamten Entwicklungstätigkeiten unterstützen und sind so definiert, dass sie auch die Umsetzung der anderen Prozesse unterstützen. Diese Kategorie besteht nur aus einer Untergruppe, der

  • Supporting Process Group (SUP): Diese Prozesse bei Automotive SPICE® befassen sich mit den Themen Qualitätssicherung in verschiedenen Formen, Dokumentation sowie Konfigurations-, Problem- und Änderungsmanagement.

Die organisatorischen Prozesse (Organizational Life Cycle Process Group) von Automotive SPICE® schließlich beschreiben Management- und Prozess-Verbesserungstätigkeiten. 

Diese Kategorie besteht aus den Untergruppen:

  • Management Process Group (MAN): Diese Prozesse beschreiben das Projekt- und Risikomanagement sowie die Prozesse zum Messen von Projekten.
  • Reuse Process Group (REU): Hier ist nur ein Prozess definiert, der sich mit dem institutionalisierten Wiederverwenden von Projektergebnissen befasst.

Process Improvement Process Group (PIM): Auch hier ist nur ein Prozess definiert, der dabei helfen soll, Prozess-Verbesserungsprogramme sinnvoll zu planen und umzusetzen.

Capability Levels in Automotive SPICE®

Wie können diese Prozesse bei Automotive SPICE® bewertet werden? 

Die Hersteller gehen zu den Lieferanten und machen ein Assessment, um die Lieferanten zu bewerten: das ist gut, das ist nicht so gut. 

Dabei geben sie den Lieferanten eine Note von Level 1 bis Level 5 – das sind die sogenannten Capability Levels. Automotive SPICE® kennt sechs verschiedene Level, von Level 0 bis Level 5. Der Ablauf jeder Inspektion wird individuell bewertet. 

Was steht hinter den Capability Levels in der Automotive SPICE®?
  • Capability Level 0: Der Prozess wird nicht umgesetzt oder erfüllt den Prozesszweck nicht. Es existieren keine oder fast keine Nachweise für die notwendigen Ergebnisse.
  • Capability Level 1: Der Prozess wird umgesetzt und erfüllt auch seinen definierten Zweck. Es liegen Arbeitsergebnisse vor, die nachweisen, dass der Prozess gelebt und verstanden wird. Eine formale Prozessbeschreibung ist auf diesem Level noch nicht notwendig; es reicht, wenn die Tätigkeiten einfach umgesetzt werden.
  • Capability Level 2: Die Tätigkeiten, die zur Umsetzung des Prozesses notwendig sind, werden geplant und überwacht. Ressourcen sind verfügbar; die Verantwortlichkeiten sind festgelegt und kommuniziert. Darüber hinaus werden auch die Arbeitsergebnisse dieses Prozesses strukturiert erstellt und verwaltet.
  • Capability Level 3: Es existiert ein Standardprozess, der für mehrere oder alle Projekte eines bestimmten Bereiches gültig ist. Dieser Standard ist geeignet, den Prozesszweck zu erfüllen und die geforderten Ergebnisse zu erzeugen. Er wird nachweislich im Projekt umgesetzt. Einzelne Elemente aus dem Standardprozess können nach klar definierten Regeln angepasst werden.
  • Capability Level 4: Für den Prozess sind quantitative Metriken und Bedingungen definiert, in welchem Rahmen mit Bezug zu den Metriken der Prozess im Projekt umgesetzt werden soll. Die Einhaltung der Rahmenbedingungen bei der Umsetzung des Prozesses wird im Projekt überwacht und die Umsetzung gegebenenfalls angepasst. All das geschieht mit Blick auf die Geschäftsziele des Unternehmens oder des Unternehmensteils, für das der Prozess gilt.
  • Capability Level 5: Auf Basis der in Level 4 gewonnenen Erkenntnisse wird nach Innovationen geforscht, die geeignet sind, den Prozess mit Blick auf die Geschäftsziele weiter zu verbessern.

Jedes Level der Automotive SPICE® enthält zudem weitere Elemente, die sogenannten Prozessattribute (PA). Sie haben eine ähnliche Struktur wie der Prozess und dienen der Bewertung des Prozesses. Mit Ausnahme der Ebenen 0 und 1 haben alle Level zwei Attribute. Level 1 beinhaltet ein Attribut, Level 0 keines. 

Die Attribute beschreiben folgende Elemente:

  • Attribute ID und Attribut-Name (analog zu Process ID und Process-Name)
  • Zweck des Attributes (analog zu Process Purpose)
  • Achievements (analog zu den Process Outcomes)
  • Generic Practices (analog zu den Base Practices)
  • Generic Resources (analog zu den Output Work Products)

Die Anforderungen müssen in der Automotive SPICE® immer für jeden Prozess einzeln betrachtet werden. Es geht hier nicht um die Bewertung, ob das untersuchte Projekt diesen Anforderungen entspricht, sondern ob jeder einzelne Prozess diese Anforderungen erfüllt.

→ Je höher das Level ist, je besser ist ein Unternehmen gerüstet, Automotive SPICE® zu realisieren. 

Andererseits ist die Automotive SPICE® ein Standard , den Lieferanten nehmen können, um ihre Prozesse zu verbessern, um mehr Aufträge zu bekommen und das Projekte und die Entwicklung der Produkte besser vorangehen.

Der Assessmentprozess in der Automotive SPICE®

Im Rahmen eines Assessments wird untersucht, inwieweit die Anforderungen von Automotive SPICE® bei der Umsetzung der Tätigkeiten erfüllt werden. Das Assessment folgt dabei einem festgelegten Ablauf, der sich in fünf Phasen aufgliedert: 

  1. Planung: Der Auftraggeber des Assessments (Sponsor) stimmt mit dem leitenden Assessor (Lead Assessor) den Umfang und die Rahmenbedingungen des Assessments ab. Es gibt vonseiten des Standards keine Vorgabe, welche Prozesse bis zu welchem Level assessiert werden müssen. Der Sponsor kann also frei entscheiden, wie umfangreich das Assessment werden soll. Am Ende der Planung liegen ein Assessmentplan und ein Zeitplan vor.
  2. Datenerhebung: Die Assessoren suchen nach Nachweisen, dass die Prozesse im Projekt umgesetzt werden. Sie sehen sich Projekt- und Prozessdokumente an, besichtigen gegebenenfalls Arbeitsplätze und führen Interviews mit den Projektmitgliedern durch. Letztere sind das wichtigste Element der Datenerhebung. Hierbei werden für jeden Prozess ein oder mehrere Personen aus dem Projekt befragt, die die im Prozess beschriebenen Tätigkeiten tatsächlich im Projekt durchführen. In den Interviews gehen die Assessoren in der Regel Level für Level vor, beginnend mit Level 1.
  3. Datenverifikation: Die Assessoren ziehen sich zurück und konsolidieren die gesammelten Informationen. Sie müssen sicherstellen, dass sie ausreichende und nicht widersprüchliche Informationen zu jedem Prozess und Capability Level erhalten haben. Finden sie Widersprüche in den Informationen, werden auch Nachinterviews durchgeführt, um diese Inkonsistenzen aufzulösen.
  4. Bewertung: In der Bewertung betrachten die Assessoren dann alle gesammelten Informationen, gleichen sie mit den Anforderungen von Automotive SPICE® ab und kommen auf dieser Basis zu einer Bewertung. Zunächst werden die Base Practices und Generic Practices bewertet. Davon leitet sich die Bewertung der Prozessattribute und schließlich die Bewertung des Capability Levels ab.
  5. Reporting: Zum Abschluss des Assessments werden die Ergebnisse dem Sponsor und den Mitarbeitern aus dem assessierten Projekt vorgestellt. Üblicherweise erfolgt dies in Form einer Präsentation, in der Stärken und Lücken der betrachteten Prozesse aufgezeigt werden.
Bewertung des Assessmentprozesses in der Automotive SPICE®

Nach Abschluss des Assessments erfolgt eine Bewertung auf Basis einer festgelegten Skala, die aus vier Stufen besteht: die „NPLF-Skala“.

Diese Bewertungsskala sieht für jeden Buchstaben eine prozentuale Verteilung vor:

  • N = Not achieved, nicht erreicht (0% bis 15%)
  • P = Partially achieved, teilweise erreicht (<15% bis 50%)
  • L = Largely achieved, größtenteils erreicht (50% bis 85%)
  • F = Fully achieved, vollständig erreicht (<85% bis 100%).

Um einen Capability Level für einen Prozess zu erreichen, müssen die Prozessattribute des zu erreichenden Levels mindestens mit einem L und alle darunter liegenden Prozessattribute mit F bewertet sein.

Mit dem Ergebnis erhält das Unternehmen zunächst eine Standortbestimmung. Es kann feststellen, wie gut die Prozesse bereits umgesetzt sind und wo noch Lücken erkennbar sind. Im Grunde ist dies bereits der erste Schritt in einem Verbesserungsvorhaben. Die Standortbestimmung ist notwendig, um ein Verbesserungsprojekt aufzusetzen und gezielt Verbesserungen zu erarbeiten und umzusetzen, die die erkannten Lücken schließen. 

Was Automotive SPICE® für Sie bedeutet
Optimierung der Prozesse

Das Management des Unternehmens muss vom Verbesserungsvorhaben überzeugt sein und mit gutem Beispiel vorangehen, denn Automotive SPICE® bedeutet schlichtweg, dass Ihre Prozesse optimiert werden. 

Wettbewerbsvorteil und Erfolgssteigerung

Sie erhalten einen Wettbewerbsvorteil durch Automotive SPICE®-Zertifizierung und generieren durch Automotive SPICE® die Steigerung der Projekterfolge und eine Verbesserung der Resultate.

Wie wir Sie dabei unterstützen

Der Erfolg und die nachhaltige Umsetzung von Prozessverbesserungsprojekten hängt von vielen Faktoren ab:

  • Umfassende Beratung und Implementierung der Prozesse, Tools und Methoden, auch in Bezug auf Funktionale Sicherheit nach ISO 26262
  • Ausrichtung auf Ihre Geschäftsziele
  • Verringerung der Entwicklungskosten durch intelligente Prozesse und Digitalisierung

Wir helfen Ihnen bei der Erfüllung der Anforderungen der Automotive SPICE®  unter Berücksichtigung Ihrer bereits etablierten Prozesse.

https://automotive-beratung.de/

Sie können gerne jederzeit an uns herantreten. Wir freuen uns bereits darauf, Ihre Fragen zu beantworten und Ihren Wünschen nachzukommen!

Ansprechpartnerin: Carmen Fernandez Leon

Mail: anfrage@automotive-beratung.de